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Bildungsbericht 2014

Freitag 13. Juni 2014
Kategorien: Inklusion

Liebe Nora-und-Ben Blogleserin,
lieber Nora-und-Ben Blogleser,

der heute in Berlin vorgestellte Bericht "Bildung in Deutschland 2014" fällt ziemlich kritisch aus. Denn die zehnköpfige Autorengruppe attestiert der Bildungspolitik gleich auf mehreren zentralen Handlungsfeldern erhebliche Versäumnisse - so etwa beim Kita-Ausbau, den Ganztagsschulen und der Inklusion.

Zwar steige auf allen Ebenen von der Kita bis zur Hochschule die Bildungsbeteiligung. Jedoch: "Nicht alle gesellschaftlichen Gruppen sind Teil dieser Dynamik." Es gebe, so Hasselhorn, "zu wenig Bewegung in der Frage von sozialer Benachteiligung und von herkunftsbedingten Unterschieden".

Außen vor bleiben demnach zu häufig Kinder und Erwachsene mit Migrationshintergrund. Dreimal so viele junge Erwachsene aus dieser Gruppe erwerben im Vergleich mit Deutschstämmigen keinen beruflichen Bildungsabschluss, gar fünfmal so viele keinen allgemeinbildenden Abschluss. Besonders dramatisch fallen die Werte laut dem Bericht bei türkischstämmigen Frauen aus. Bei den türkischstämmigen Männern stagnieren die Werte im Vergleich zu 2005.

Nach oben weist neben der Zahl der Erstsemester auch die Kurve der in Kitas und Kindergärten betreuten Kleinkinder. Gestützt durch 2013 eingeführten Rechtsanspruch habe in den vergangenen Jahren der Schwerpunkt auf dem "quantitativen Ausbau" gelegen, heißt es im Bildungsbericht.

Die Autorengruppe mahnt mehr Qualität in den Einrichtungen an. Besonders in den ostdeutschen Bundesländern sei der Betreuungsschlüssel schlecht, eine Erzieherin muss dort also zu viele Kinder in einer Gruppe betreuen. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Fortsetzung der Betreuung der älteren Kinder in der Ganztagsschule. Auch für sie fordern die Wissenschaftler ein "klares pädagogisches Konzept" und "übergreifende Standards" ein.

Am meisten zu knabbern haben dürfte die Politik an den Aussagen des Bildungsberichts zur Situation von behinderten Menschen im Bildungssystem. Tenor: Bevor die Integration behinderter Schüler in die Regelschulen als politisches Großprojekt ausgerufen werde, müsse erst einmal klar sein, "wo welche Schülerinnen und Schüler inkludiert werden". Nötig sei ein koordiniertes Vorgehen zwischen Bund und Ländern und den beteiligten Akteuren untereinander.

Es gebe "ein historisch gewachsenes Bildungssystem, das dem Grundsatz optimaler Förderung von Menschen mit Behinderungen durch institutionelle Differenzierung Rechnung zu tragen sucht". Gemeint sind die vielgescholtenen Förder- und Sonderschulen, die sich durch den Bildungsbericht durchaus gestützt fühlen können.

Denn diese Schulart komplett abzuschaffen, wie es manche Inklusionsbefürworter wünschen, halten die Autoren des Bildungsberichts für falsch. Sprecher Hasselhorn schätzt, dass für etwa zwei Prozent der Schüler Sonderschulplätze vorgehalten werden müssten, weil sie nicht ins Regelschulsystem passten. Laut Bildungsbericht liegt der Anteil der Förderschüler bundesweit allerdings noch bei rund fünf Prozent.

Bildungsbericht:
http://www.bildungsbericht.de/daten2014/bb_2014.pdf

Quellen:
http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/bildung-in-deutschland-probleme-bei-migranten-inklusion-und-lehrstellen-a-974948.html

http://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2014-06/bildungsbericht-inklusion-fachkraeftemangel-ganztagsschule

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit mit vielen neuen bereichernden Erkenntnissen.

Michaela Wulf-Schäfer