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Finnland hat die meisten seiner Sonderschulen abgeschafft. Was kann Deutschland davon lernen?

Donnerstag 15. Mai 2014
Kategorien: Inklusion

Liebe Nora-und-Ben Blogleserin,
lieber Nora-und-Ben Blogleser,

in den vergangenen dreißig Jahren hat Finnland fast zwei Drittel seiner Sonderschulen geschlossen. Die Zahl der Schüler, die eine spezielle Unterstützung erhalten, ist aber nicht kleiner geworden. Im Gegenteil, bis Ende der neunten Klasse war sage und schreibe jeder zweite junge Finne einmal Förderschüler. Nirgendwo dürfte diese Quote höher sein als im Bildungsvorzeigeland Finnland.

Kein anderes Land der Welt unterhält ein so ausgebautes Sonderschulwesen wie Deutschland. Deutschland ist Weltmeister im Aussondern.

Finnland geht einen Mittelweg. Vielleicht könnte es deshalb in manchem als Beispiel taugen: für die Zusammenarbeit von Fachlehrern und Sonderpädagogen, für die Infrastruktur der Förderung, für den Pragmatismus. Über allem steht die eine Frage: Was nützt dem einzelnen Schüler?

Mit dieser Frage beschäftigt sich auch die Runde, die an der Sekundarschule in Jyväskylä an diesem Vormittag im Büro der Schulleiterin zusammengekommen ist. Es geht um die Sorgenkinder der Schule: Warum kommen bestimmte Schüler im Unterricht nicht mit? Welcher Jugendliche ist unangenehm aufgefallen? Wer benötigt Tupa-Stunden (Förderstunden)? Alle drei Wochen trifft sich der "Ausschuss für Schülerfürsorge". Die Rektorin und einige Lehrer sind dabei sowie natürlich die vielen Sonderpädagogen der Schule.

Jedem Schülerjahrgang ist ein Spezialpädagoge zugeordnet.
Alle Schüler werden von vielen Professionen, die man an allen finnischen Schulen findet, betreut: dem Sozialarbeiter, der Psychologin, der Schulkrankenschwester, dem Laufbahnberater sowie einem Polizeibeamte.
Je nach Fall werden die Experten zur Förderkonferenz hinzugezogen.

Als Speziallehrerin testet die Spezialpädagogin die Schüler auf Lernschwierigkeiten, erstellt Nachhilfepläne und navigiert ihre Schützlinge durch die ausgeklügelte Förderstruktur. Am Anfang steht stets die Unterstützung im normalen Unterricht. Dafür sind Klassenlehrer und Spezialpädagoge gemeinsam zuständig.

Wem die Hilfe im Klassenverband nicht reicht, der hat Anrecht auf gezielte Förderung. Allein oder in kleinen Gruppen holen die Schüler den Stoff mit einem Speziallehrer im Tupa-Raum nach. (Tupa bedeutet auf Finnisch "Hütte" oder "Schutzraum".) Die meisten kehren nach ein paar Monaten in ihre Klasse zurück. Gelingt dies nicht, kommt die dritte Stufe der Förderpyramide zum Einsatz: Die Schüler werden von den Anforderungen des Curriculums befreit und arbeiten nach einem eigenen Lehrplan. Dafür benötigt es für jedes betroffene Fach ein sonderpädagogisches Gutachten.

"Je früher man interveniert, desto besser. Das gilt besonders für die Hauptfächer", sagt Sakari Moberg von der Universität Jyväskylä. Schon ein Jahr nach der Einschulung soll jedes Kind flüssig lesen können. Damit das Ziel erreicht wird, geht bisweilen die Hälfte der Klasse zum Förderunterricht. Die Bezeichnung Förderschüler ist dann kein Stigma mehr.

Für Moberg, den bekanntesten Experten auf dem Feld, ist diese intensive Förderung das Geheimnis des Pisa-Erfolgs seines Landes.

Besondere Kinder benötigen besondere Hilfe, je größer das Lernproblem, desto individueller muss die Antwort des Bildungssystems ausfallen. So könnte man die finnische Inklusionsphilosophie beschreiben.

Quelle:
http://www.zeit.de/2013/41/finnland-abschaffung-sonderschulen

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit mit vielen neuen bereichernden Erkenntnissen.

Michaela Wulf-Schäfer