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Umsetzung der Inklusion langsamer angehen

Freitag 30. Mai 2014
Kategorien: Inklusion

Liebe Nora-und-Ben Blogleserin,
lieber Nora-und-Ben Blogleser,

Inklusion ist, wenn Kinder mit oder ohne Behinderung auf die selbe Schule gehen. Eine tolle Idee, fand die Sonderpädogogin Juliana Kesting. Bis sie von der Uni an die Schule wechselte.
"Ich stehe noch immer hinter dem Kerngedanken der Inklusion. Aber nicht hinter der jetzigen Umsetzung. So wie es bisher angegangen wird, klappt es einfach nicht", sagt die Sonderpädagogin heute.
"Es sind einfach viel zu wenig Ressourcen da, es fehlt an Fördermitteln und an Personal. Auch die Ausbildung der Lehrer muss sich verändern, Grundschullehrer oder auch Lehrer an weiterführenden Schulen müssen im Studium häufiger mit Menschen mit Behinderung konfrontiert werden. Da sind noch zu große Ängste, wie sie mit den Kindern umgehen sollen."

Die Einstellung der Lehrer zur Inklusion ist entscheidend, ohne sie geht es nicht. Das denkt nicht nur die Sonderpädagogin, auch eine Studie der Universität Bielefeld kam zu diesem Ergebnis. An den untersuchten Schulen, an denen die Inklusion gut funktioniert, steht das gesamte Kollegium hinter der Reform. Ist Inklusion hingegen nur von oben verordnet, ist sie meist zum Scheitern verurteilt.

Die BieLieF-Studie kommt genauso wie die IQB-Studie (Links s.u.) zu dem Ergebnis, dass Kinder mit Behinderung im gemeinsamen Unterricht mehr lernen, als wenn sie separat unterrichtet werden.

"Das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe Kinder betreut, die auf der Förderschule bestimmt nicht so weit gekommen wären wie an der Regelschule", sagt auch Kesting. Doch bei diesen Erfolgen gehe es meist nur um die Kulturtechniken wie Lesen oder Schreiben. "Sich die Schuhe zubinden, den Tisch decken, wissen, welche Jahreszeit gerade ist, solche Dinge kommen in der Grundschule zu kurz. Das setzen die Lehrer da voraus. Doch diese Hilfe zur Eigenständigkeit, das brauchen Kinder mit Behinderung, um später ein selbstständiges Leben zu führen", erklärt die Pädagogin, die seit mehr als zehn Jahren mit Kindern mit Behinderung arbeitet.

Auch wenn es für viele Kinder ein großer Vorteil ist, Kesting geht inzwischen nicht mehr davon aus, dass jedes Kind inkludierbar ist. Zu viele hat sie nach dem Ausflug an die Regelschule enttäuscht an die Förderschule zurückkommen sehen. Sie freut sich über die rege Diskussion, die inzwischen entbrannt ist. Auch dass Eltern nun mitbestimmen können, auf welche Schule ihr Kind gehen soll, findet sie gut. Doch es geht ihr alles ein wenig schnell. "Es wird anscheinend davon ausgegangen, dass man das mit der Inklusion mal eben nebenbei erledigen kann. Doch erst einmal muss sich in den Köpfen der Menschen etwas ändern." Menschen mit Behinderung müssten präsenter werden in unserer Gesellschaft, es gäbe heute ja fast keine Berührungspunkte. "Warum fängt man nicht kleiner an, mit gemeinsamen Räumlichkeiten, Festen oder Ausflügen? So könnten alle Schritt für Schritt lernen, mit der Verschiedenheit umzugehen. Warum muss es gleich Schule sein?"

über die BieLieF- und IQB-Studie:
http://www.zeit.de/2014/20/sonderschulen-inklusion/seite-2

http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/inklusion-behinderte-kinder-an-regelschulen-lernen-besser-a-968288.html

Quelle:
http://www.stern.de/familie/familienbande/schule/sonderpaedagogen-in-der-schule-ein-bekenntnis-zur-inklusion-reicht-nicht-aus-2113871.html

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit mit vielen neuen bereichernden Erkenntnissen.

Michaela Wulf-Schäfer